HomeOffice und mobiles Office während und nach Corona

Desktop beim HomeOffice - Kelly Sue DeConnick Desktop 3/10/10 - Flickr - CC BY-SA 2.0

Während der Pandemie wurden die beiden Schlagwörter immer relevanter. Deutschland bemerkte auf einmal, dass es im Bereich der Digitalisierung weit hinterherhinkt. Die Bundesregierung griff ein und sorgte durch die Pandemie-Gesetzgebung, sowie durch Förderprogramme für einen massiven Ausbau der noch recht neuartigen Arbeitsplätze. Wenn man einen Blick in die gängigen Medien wirft, dann denkt man schnell das Corona die Arbeitswelt für immer verändert hat. Das stimmt auch in Teilen, aber nicht minder richtig ist die Tatsache, dass Corona vor allem aufgezeigt hat, das die Wirtschaft ohne den klassischen Arbeitsplatz im Büro nicht leben kann.

Die Zahl der HomeOffice-Plätze und mobilen Office-Arbeitsstellen steigt

Aufgrund der Corona-Pandemie waren viele Arbeitgeber verpflichtet für ihre Mitarbeiter HomeOffice-Plätze zur Verfügung zu stellen. Diese Verpflichtung erstreckte sich ausdrücklich nicht auf mobile Arbeitsplätze, aber natürlich nutzten die Arbeitgeber die Fördermöglichkeiten, um die hierfür notwendige Infrastruktur zu schaffen. Man muss also das HomeOffice ein wenig von dem mobilen Arbeitsplatz differenzieren. Der HomeOffice-Arbeitsplatz benötigt eine Anbindung an das Firmennetzwerk, sowie eine passende Ausrüstung. Der mobile Arbeitsplatz benötigt diese beiden Dinge ebenfalls, kann aber vom Mitarbeiter überall genutzt werden und ist weniger stationär. Das Arbeitsmodell des „wandernden Mitarbeiters“ hat sich im Zuge von Corona nur bedingt durchgesetzt. Die Hintergründe hierzu sind eher praktischer Natur. In der Gesamtheit betrachtet ist es richtig, dass die Zahl der Arbeitsplätze im HomeOffice signifikant gestiegen ist. Einer der wichtigsten Antreiber waren hier der Bund, sowie die Länder. Fast alle Behörden setzten auf HomeOffice, oder boten ihren Beamten und Angestellten entsprechende Lösungen an.

In der freien Wirtschaft agierte man weitaus vorsichtiger. Die großen Konzerne hatten weniger Berührungsängste, und teilweise auch schon eigene Erfahrungen mit diesen Arbeitsmodellen. Als echtes Hindernis erwies sich der Mittelstand, sowie das Kleingewerbe. Hier waren und sind die Eintrittsgrenzen deutlich höher. Denn häufig fehlt es hier an der notwendigen IT-Infrastruktur, aber definitiv nicht am Willen etwas in diese Richtung zu bewegen. Das ifo-Institut hat in seiner Studie vom 23. November festgestellt, dass vor allem das Dienstleistungsgewerbe und der Handel teilweise sprunghafte Anstiege zu verzeichnen hatte. Gerade im Handel stieg der Anteil der Belegschaften, die im HomeOffice tätig waren oder sind, von 8 Prozent auf bis zu 24 Prozent. Insgesamt stieg der Anteil an HomeOffice-Arbeitsplätzen von 18 Prozent auf 42 Prozent. Die Zahlen sind repräsentativ und mit Vorsicht zu genießen. Sie stellen noch keine exakte Erhebung dar, sondern dienen lediglich der groben Übersicht. Sie zeigen allerdings sehr deutlich, inwieweit die Corona-Pandemie die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreibt und damit auch eine Veränderung der gängigen Arbeitsplatzmodelle bewirkt.

Wie können Arbeitgeber reagieren?

Die Bundesregierung hat mit dem Förderprogramm „go digital“ ein wichtiges Förderinstrument geschaffen, welches ausdrücklich die Kleinunternehmen und den Mittelstand unterstützt. Diese gelten als die großen „Bremsen“ bei der Weiterentwicklung der Arbeitsplätze. Weniger mit böswilliger Absicht, als vielmehr aus der Tatsache heraus, dass hier ein enormer Investitionsbedarf herrscht. Diese Investitionen können viele kleine und mittelständische Unternehmen schlichtweg nicht so einfach stemmen. Das Förderprogramm soll hier helfen und läuft bis zum 31. Dezember 2021. Demgegenüber haben große Unternehmen einen Nachteil. Sie werden lediglich durch die Verordnungen der Bundesregierung dazu verpflichtet ihren Mitarbeitern, wenn möglich, das HomeOffice anzubieten. Eine besondere Förderung ist für sie nicht vorgesehen. Wer sich für die Förderung „go digital“ interessiert, der bekommt beim Bundesministerium für Energie und Wirtschaft die entsprechenden Informationen hierzu.

Neben der Förderung des Bundes gibt es für Arbeitgeber natürlich auch eine Reihe von praktischen Tipps, mit denen die Digitalisierung des Unternehmens eingeleitet werden kann. Dennoch ist es empfehlenswert auf den Rat eines Profis, oder aber auf das Förderprogramm zurückzugreifen. Denn die Digitalisierung ist mehr, als nur der Kauf eines neuen PCs. Es geht um die fachgerechte Installation und Einrichtung von Netzwerken für die Kommunikation, die Schulung von Mitarbeitern und letztlich auch um die IT-Sicherheit für den Schutz des Unternehmens und der Mitarbeiter. Die nachfolgende Liste soll einmal in kurzer und nicht abschließender Form verdeutlichen, worauf ein Unternehmer zu achten hat, wenn er die Digitalisierung angehen möchte und seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zum HomeOffice, oder zum mobilen Office einräumen will.

  • Die passende Hardware muss beschafft werden. Diese muss auf der einen Seite dem Arbeitnehmer die notwendige Sicherheit bieten, und auf der anderen Seite die gängigen Voraussetzungen der IT-Sicherheit erfüllen.
  • Einrichtung eines Firmeneigenen Netzwerkes mit Zugangsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
  • Maßnahmen zur Förderung der körperlichen Gesundheit der Mitarbeiter im HomeOffice und mobilen Office.
  • Veränderung und Anpassung unternehmensinterner Strukturen.
  • Einrichtung der Position und Anstellung eines Datenschutzbeauftragten.
  • Kooperation mit einem IT-Service-Dienstleister, welcher die Funktionalität der IT gewährleistet.

Das ist nur ein Auszug der Maßnahmen, welche für eine erfolgreiche Digitalisierung notwendig sind. Man sieht schon auf den ersten Blick, dass ein Arbeitsplatz im HomeOffice nicht einfach mal nur so eingerichtet werden kann. Es gilt eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen.

Risiken und Nebenwirkungen der neuen Arbeitsmodelle für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Während die Arbeitgeber vor allem unter den hohen Kosten, sowie dem enormen Aufwand leiden, sind die Arbeitnehmer auf ganz anderen Ebenen betroffen. Das HomeOffice „cool“ ist und man endlich einmal in Jogging-Hose in den eigenen vier Wänden arbeiten kann ist eine landläufige Meinung. Doch Studien belegen, dass es große Risiken im HomeOffice gibt. Denn das HomeOffice nötigt den Arbeitnehmer eine große Disziplin im privaten Bereich ab. Um zu verstehen, wie die Änderungen das soziale Umfeld betreffen, hilft es einen Blick auf die Vorteile des Büros zu werfen:

  • Das Büro bietet direkte soziale Kontakte mit anderen Mitarbeitern.
  • Im Büro und am Arbeitsplatz vor Ort haben Arbeitnehmer häufig mehr Bewegung und sind aktiver.
  • Das Büro bietet dem Arbeitnehmer die Möglichkeit einen Schlussstrich zu ziehen. Die Arbeitszeit ist vorbei, also fährt man den PC herunter und geht nach Hause um neue Energie zu tanken.

Das wohl größte Risiko der beiden neuen Arbeitsmodelle ist die Depression. Immer mehr Arbeitnehmer aus dem HomeOffice berichten von Stimmungsveränderungen, die teilweise nahe an depressive Zustände grenzen oder diese sogar erreichen. Gerade ältere Arbeitnehmer tun sich schwer mit den veränderten Arbeitsbedingungen. Jüngere Arbeitnehmer haben hingegen eher den Wunsch im HomeOffice zu arbeiten und kommen auch besser damit zurecht.

Bei den Arbeitgebern herrschte zu Beginn der Pandemie vor allem die Angst vor einem Kontrollverlust vor. Wie will man einen Mitarbeiter im HomeOffice im Blick behalten, seine Leistungen kontrollieren und gegebenenfalls optimieren? Diese Sorge konnte weitestgehend zerstreut werden. Wer die richtige Infrastruktur hat, der braucht sich in diesem Bereich keine Sorgen zu machen. Viel wichtiger und drängender ist die Frage der IT-Sicherheit. Große und dezentrale Netzwerke sind eine Voraussetzung für das HomeOffice, und für das mobile Office. Diese Netzwerke haben ganz andere, und häufig aufwändige Sicherheitsanforderungen. Hohe Investitionen in die IT-Sicherheit sind aber für viele Unternehmen schlichtweg nicht stemmbar und verursachen teilweise hohe laufende Kosten. Demzufolge stehen viele Arbeitgeber der Digitalisierung noch immer sehr skeptisch gegenüber.

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